Zur Geschichte Ottobrunns

Vor 2000 Jahren lag das heutige Gemeindegebiet genau zwischen zwei Römerstraßen: eine verlief im Norden bei Feldkirchen und die südliche durchquerte das Hachinger Tal und den Hofoldinger Forst. Auf ihnen war römisches Militär von Juvavum (Salzburg) nach Augusta Vindelicorum (Augsburg) unterwegs.

1000 Jahre später (1158) wurde München gegründet, denn Heinrich der Löwe hatte die Isar-Brücke für die Salzstraße von Reichenhall her weiter südlich „zu den Mönchen“ hin verlegt. Damit war die Trasse der heutigen Rosenheimer Landstraße festgelegt. Sie war der uralte Handelsweg über Rosenheim und Innsbruck nach Italien. Auf dieser Straße reiste 1832 der erst 17-jährige Prinz Otto von Wittelsbach, der zweite Sohn König Ludwig I., an die italienische Adria, bestieg dort das Schiff nach Nauplia und betrat erstmals sein neues griechisches Königreich.

Mit dem Friedensvertrag von Adrianopel (1829) war der Kampf der Griechen gegen die türkische Herrschaft beendet. Die Signatarmächte England, Frankreich und Russland einigten sich 1832 mit Zustimmung der griechischen Nationalversammlung auf Prinz Otto von Wittelsbach als neuen König von Griechenland.

Nach 30-jähriger Regentschaft musste König Otto 1862 abdanken und kehrte mit seiner Frau Amalie von Oldenburg nach Bamberg in die königliche Residenz zurück. Dort starb er 1867 im Alter von 52 Jahren.

 

Ottosäule und Gemeindewappen

12 Kilometer vom Münchner Marienplatz entfernt, auf dem heutigen Gemeindegebiet von Ottobrunn, erinnert eine dorische Säule des Steinmetzmeisters Anton Ripfel an den Tag des Abschieds König Ottos von seinem Vater und dem bayerischen Volk.

Auch das Gemeindewappen nimmt Bezug darauf und zeigt auf blauem Grund die silberne Ottosäule, den auf den Treppenstufen ruhenden bayerischen Löwen und links und rechts davon eine silberne Tanne.


 

Beginn der Besiedlung

Bei Kilometerstein 10 standen zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits zwei Gaststätten für die Fuhrleute und Wanderer: der Gutshof „Schwaige“ (seit 1890) und das „Waldschlösschen“ (1902). Bald ließen sich dort stadtmüde „Kolonisten“ nieder, wenn ihnen auch Strom und Wasser und jegliche sonstige Versorgung noch fehlte.

Das erste Wasserwerk wurde 1912 errichtet, 1914 die Freiwillige Feuerwehr gegründet und bereits 1920 entstand die erste Schulbaracke.

 

Drei Waldkolonien werden zu Ottobrunn

Nach 11-jährigem zähem Ringen erhielten die drei Waldkolonien 1921 durch Ministerialbeschluss den gemeinsamen Namen „Ottobrunn“. Die politische Muttergemeinde Unterhaching bestand lange auf „Neuhaching“ oder „Waldhaching“; auch „Waldlust“, „Ottohain“ und „Neuhaching-Otto-Kolonie“ waren im Gespräch. Die Regierung von Oberbayern aber blieb bei „Ottobrunn“ – in Erinnerung an König Otto von Griechenland und in Analogie mit den historischen Namen der unmittelbar angrenzenden Gemeinden Putzbrunn und Hohenbrunn.

Verkehrsanbindung und Gewerbeentwicklung

Eine neue Verkehrsverbindung, die Eisenbahn, führte noch vor dem 1. Weltkrieg hinaus bis Aying und Kreuzstraße und der 1922 auf Kosten der Siedler errichtete Haltepunkt an der heutigen Ottostraße wurde »Waldlust« genannt. 1933 wurde der Flughafen Neubiberg gebaut, 1934 begann mit dem ersten Spatenstich auf einer Unterhachinger Baustelle der Aufbau des deutschen Autobahnnetzes. Die A 8 nach Salzburg und die erst viel später gebaute A 99 nach Nürnberg liegen direkt vor Ottobrunns Haustür.

An dieser strategisch günstig gelegenen Autobahn, wo im letzten Kriegsjahr KZ-Häftlinge aus Dachau (Hier gelangen Sie zur Facharbeit von Martin Wolf über das KZ-Aussenlager in Ottobrunn) die LFM (Luftfahrt-Forschungsanstalt-München) aufgebaut hatten und nahe des Flughafens Neubiberg, ließ sich 1958 das Luftfahrtunternehmen MBB (Messerschmitt-Bölkow-Blohm) nieder, das mit den Nachfolgeunternehmen DASA (Daimler-Chrysler-Aerospace), EADS (European Aeronautic Defense und Space Company) und heute Airbus Group den Namen Ottobrunn weltweit bekannt machte.

 

Eigenständigkeit Ottobrunns

Während des 2. Weltkrieges versuchten viele Münchner den Bombenangriffen zu entgehen und zogen aufs Land. Viele bewohnten jetzt ihr Sommerhäuschen ganzjährig. Die Bevölkerung nahm beständig zu und die Probleme mit der Versorgung wurden immer dringender.

Zum Leidwesen der Siedler war Ottobrunn bis Mitte der 50er Jahre noch immer ein Teil von Unterhaching. Die beiden Ortsteile lagen an zwei verschiedenen Bahnlinien, waren 2 1/2 Kilometer voneinander entfernt und eine optische Grenzlinie war durch den ehemaligen Militär-Flugplatz und die Autobahn nach Salzburg schon irgendwie vorgegeben.

Der Geburtstag der eigenständigen politischen Gemeinde Ottobrunn war dann der 1. April 1955. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Muttergemeinde Unterhaching 4.970 Einwohner und die „Tochter“ bereits 5.816. Bisher hatten drei Interessenvereinigungen die Forderungen der Siedler aus Ottobrunn im Unterhachinger Gemeinderat vertreten. Damals saßen schon neun Vertreter aus Ottobrunn sieben aus Unterhaching gegenüber. Trotzdem hatten sie das Gefühl, dass sie benachteiligt wurden und dass die dringenden Aufgaben und die Wünsche von der damals noch kleinen Muttergemeinde nicht rasch genug erfüllt werden konnten.

 

Starker Bevölkerungszuwachs und bauliche Veränderungen

Zum Geburtstag der Gemeinde schenkte der Landkreis Baukostenzuschüsse, denn die Wohnungsnot der Ausgebombten, der Heimatvertriebenen und Heimkehrer war groß. Erst in den 60er Jahren war das Barackenelend zu Ende. Das Wachstum der Ottobrunner Gemeinde ist rasant verlaufen. Bereits 1965 überschritt die Einwohnerzahl die 10.000er Grenze. Der soziale Wohnungsbau ging weiter, wenn jetzt auch zusätzlich anspruchsvollere Wohnanlagen entstanden: Atriumhäuser am Ranhazweg, die Parksiedlung mit 500 Eigentumswohnungen am Haidgraben, und schließlich 1.200 Wohnungen am südlichen Ortsende an der Ottosäule.

Die vielen Zuzüge erforderten den Bau von zwei zusätzlichen Volksschulen, einem Gymnasium, diversen Kindergärten und auch weiteren Kirchen. Eine Haupt- und eine Realschule sowie ein weiteres Gymnasium entstanden in der Nachbarschaft. 2007 wurde mit dem Erweiterungsbau der Realschule und einer zusätzlichen Turnhalle begonnen. Die Arbeiten sind inzwischen abgeschlossen und somit sind ausreichend Räumlichkeiten vorhanden, um eine dringend benötigte Mittagsversorgung anbieten zu können. Auch das Gymnasium Ottobrunn erhielt durch einen Anbau ausreichend Räume für die Mittagsversorgung der Schüler.

2007 fiel im Kultusministerium die Entscheidung, ein neues Gymnasium in der Nachbargemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn zu errichten. Dieses neue Gymnasium wurde zum Schuljahr 2011/12 in Betrieb genommen  und wird die beiden Gymnasien in Ottobrunn und Neubiberg entscheidend entlasten. Wegen Generalsanierungsmaßnahmen der beiden Gymnasien mussten erst die Schüler aus Neubiberg für zwei Jahre in das neue Gymnasium nach Höhenkirchen-Siegertsbrunn ausweichen, jetzt sind die Schüler aus Ottobrunn an der Reihe.

Bereits seit 1961 wird das Abwasser des Gemeindegebietes über ein Kanalsystem in das Entwässerungsnetz der Stadt München eingeleitet und im Klärwerk Großlappen gereinigt. 1970 wurde das Feuerwehrhaus zwar mit modernster Ausstattung gebaut, die Aufgaben der Feuerwehr haben sich in den vergangenen 40 Jahren aber vervielfacht. Der erforderliche Neubau des Geräteshauses und des Sozial- und Werkstättentraktes wurde 2010 fertig gestellt. Durch das erweiterte Raumangebot konnten auch dem Notarztteam der Münchner Berufsfeuerwehr Räume zur Verfügung gestellt werden. Dadurch ergibt sich bei einem Notruf ein wesentlicher Zeitgewinn für die Ottobrunner Bürger. 151 Männer und Frauen leisten bei der Ottobrunner Feuerwehr momentan ehrenamtlich Dienst und engagieren sich mit durchschnittlich 600 Einsätzen pro Jahr für ihre Mitbürger.

In den 70er Jahren war die Gemeindekasse reichlich gefüllt und die Bevölkerung bereits gut versorgt, so dass mit dem Bau der Freizeitanlagen begonnen werden konnte. Eislauf- und Sportstadion, Hallenbad und Mehrzweckhalle entstanden und konnten auch von den Schulen und Vereinen intensiv genutzt werden. Der Ottobrunner Parkfriedhof wurde 1981 eingeweiht; bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Toten noch in Unterhaching bestattet. Er verfügt über einen besonderen Verabschiedungsraum, die Möglichkeit der Bestattung in einer Außenurne und der Bestattung unter Bäumen. 

Der seit 1955 mitten im Ort angesiedelte Bauhof wurde aus Platzgründen durch einen 2006 fertig gestellten Neubau auf dem ehemaligen Flughafengelände am Ortsrand ersetzt und verfügt nun über ausreichend große Flächen.

 

Ortsmitte

Die Verantwortlichen hatten damals erkannt, woran es der jungen Gemeinde noch fehlte: sie hatte keinen gewachsenen Ortsmittelpunkt, kein Zentrum oder einen Marktplatz wie andere Orte. Nach umfangreichen Planungen wurde deshalb auf einem großen Areal die „Ortsmitte“ geplant, die als Mittelpunkt ein neues Rathaus (1983), das auch das Otto-König von Griechenland-Museum der Gemeinde beherbergt und ein Bürgerhaus (1986) vorsah, das heute neben dem Festsaal für die diversen Aufführungen, ein Restaurant, die Verwaltung des Hauses und die Theaterkasse, die Verwaltung und Kursräume der VHS mit Musik- und Ballettschule sowie die umfangreiche Bibliothek, ein Kino, einen Schießstand und eine Kegelbahn beherbergt. Das Bürgerhaus wurde nach dem deutsch-italienischen Komponisten Ermanno Wolf-Ferrari benannt, der von 1915 bis 1931 in Ottobrunn lebte und hier seine Opern schrieb. In seiner ehemaligen Villa, die von 1955 bis 1983 als erstes Rathaus diente, ist jetzt der Treffpunkt für die Senioren untergebracht.  

Versorgung

Der Bau von mehreren Brunnen im Höhenkirchener Forst wurde nötig, um die Qualität des Trinkwassers, das für Ottobrunn-West vom Wasserwerk Hohenbrunn kommt, wieder in einwandfreiem Zustand zu liefern. Ottobrunn-Ost erhält sein Trinkwasser immer schon aus dem Mangfalltal, dem Wassereinzugsgebiet der Stadt München und war zu keiner Zeit von schlechten Werten betroffen.

 

Aktuell

Über 20.700 Ottobrunner leben heute auf 5 qkm, das sind zirka 4.140 Einwohner pro qkm. Damit ist Ottobrunn die dichtest besiedelte Gemeinde im Landkreis München, die trotzdem mit sehr viel Grün aufwarten kann. Auf engem Raum wird den Einwohnern alles Nötige zur Verfügung gestellt und viel Angenehmes geboten. Konsumgüter bekommt man überall in den reichlich vorhandenen Fachgeschäften, Lebensmittel und Feinkost in den gut sortierten Supermärkten sowie in Reformhäusern und auf den Wochenmärkten. Die haus- und fachärztliche sowie tierärztliche Versorgung vor Ort ist sichergestellt, zu den großen Kliniken in München ist es im Notfall nicht weit und Apotheken sind in reichlicher Zahl vorhanden. Die Caritas-Sozialstation konnte 2006 ihr schönes neues Domizil beziehen und unter dem Dach der Arbeiterwohlfahrt wurde die seit langem benötigte Nachbarschaftshilfe gegründet.

Für das leibliche Wohl sorgt die Gastronomie: einfache und anspruchsvolle Gaststätten bieten für jeden Geschmack und Geldbeutel eine Auswahl an deutschen, griechischen, italienischen und asiatischen Spezialitäten.

 

Phönix BadSport- und Freizeitangebot

Sportliche Betätigung ist in fast 30 Sparten möglich. Das Vereinsregister zählt an die hundert Vereine, die nahezu jedem Freizeitwunsch entgegen kommen.

Nach dem verheerenden Brand des Schwimmbades im November 1996 wurde es als „Phönix-Erlebnisbad“ 1999 wieder eröffnet und erfreut sich seither größter Beliebtheit. Eine großzügige Erweiterung des Sauna- und Wellnessbereiches und die Sanierung der Umkleidekabinen wurden im Frühjahr 2010 abgeschlossen. Außerdem wurde der Sportpark um einen Kunstrasen-Fußballplatz, einen Basketball- und einen Beachvolleyballplatz hinter dem Eisstadion erweitert.

Wer wandern will – zu Fuß oder mit dem Rad – ist trotz der Nähe zur Großstadt gleich im Wald oder in den Fluren der umliegenden Gemeinden mit ihren schönen Ausflugslokalen und den beliebten bayerischen Biergärten. Wer nach Norden oder Süden will: Berge und Seen sind nah, denn die Autobahnenauffahrten liegen direkt vor der Tür.

Aber auch ohne Auto kommt man zum Ziel: 7 Buslinien durchqueren das Gemeindegebiet in allen Richtungen und haben Anschluss an die U- und S-Bahnlinien, damit die Stadt München und das Umland schnell erreicht werden können.

 

Bildungs- und Kulturangebot

Für Bildung, Kultur und Unterhaltung sorgen die vhs SüdOst, die Musik- und Ballettschule, Theaterveranstaltungen des Wolf-Ferrari-Hauses und drei Kinos. Für Kinder wurden im Laufe der Zeit über 40 verschiedene Kinderbetreuungseinrichtungen diverser Träger und Ausrichtungen von der Krippe bis zum Hort gebaut. Seit Jahren gibt es eine Mittagsbetreuung an den Grundschulen, die weiterführenden Schulen folgten in den letzten Jahren. Abenteuerspielplätze, Rodelberg und Skateboardbahn runden das Angebot ab. Für die Jugendlichen gibt es zwei Freizeitstätten, einen Minigolfplatz und einen Fun-Park mit Beachvolleyballplatz, Skaterrampen und Streetball-Körben auf dem ehemaligen Flughafengelände. Ein Jugendcafé und ein neues Haus für die St. Georgspfadfinder wurden 2009 eröffnet. Im Haus der Senioren, dem ehemaligen Rathaus, wurde für die aktiven Senioren ein gemütlicher Treffpunkt mit umfassenden Angeboten zur Freizeitgestaltung geschaffen.

 

Städtpartnerschaften

Weltoffen zeigt sich Ottobrunn mit seinen Städtepartnerschaften mit Nauplia in Griechenland, mit Margreid in Südtirol und mit Mandelieu-La Napoule an der Côte d‘ Azur. Belebt werden die Partnerschaften durch regelmäßig wiederkehrende gemeinsame Weinfeste, Kunstausstellungen und gegenseitige Besuche sowie einem regen Schüleraustausch des Gymnasiums mit Nauplia und zusätzlich mit Cherbourg in der Normandie.

Sanierung der Rosenheimer Landstraße

Unsere Gemeinderatsmitglieder haben vor fast 30 Jahren die Ortsumgehung und die Neugestaltung der Rosenheimer Landstraße beschlossen. Viel Zeit ist vergangen bis im Dezember 2002 als erste Maßnahme und Voraussetzung für den Umbau die Westumgehung endlich dem Verkehr übergeben werden konnte. Mit den innerörtlichen Baumaßnahmen wurde im Sommer 2004 begonnen. Mit dem 2009 abgeschlossenen Ausbau der Rosenheimer Landstraße verfügt Ottobrunn endlich über eine Hauptstraße, die erstmals gut ausgebaute Geh- und Radwege hat, geordnetes Parken ermöglicht sowie eine reguläre Entwässerung und Beleuchtung aufweist. Der hässliche Nachkriegszustand dieses fast drei Kilometer langen Straßenzuges wurde damit beendet und das Ortsbild nachhaltig aufgewertet. Besonders ansprechend ist auch die abwechslungsreiche Bepflanzung der Verkehrsinseln. 
 

 

Umweltschutz

Die Lösung der Verkehrsprobleme, die Reinhaltung von Luft und Wasser sowie die Lärmreduzierung sind Aufgaben, die nicht nur Ottobrunn vor Probleme stellt. Die Gemeindeverwaltung bemüht sich deshalb seit Jahren, im Umweltschutz eine Vorbildfunktion einzunehmen, die in den vergangenen Jahren mehrfach in bundesweiten Wettbewerben ausgezeichnet wurde. Unsere Ottobrunner „Gründungsväter“ hatten Probleme mit der Versorgung ihrer Einwohner, uns bereitet heute zunehmend die Entsorgung Probleme, um ein lebens- und liebenswertes Ottobrunn zu erhalten.

 

Eine umfangreiche Darstellung der Geschichte Ottobrunns und weitere interessante Informationen über das Gemeindeleben finden Sie in der 240-seitigen Festschrift „100 Jahre Siedlungsraum Ottobrunn“, die gegen eine Gebühr von 9,00 Euro in der Gemeindekasse erhältlich ist.